Nachdem die Sauerstoffversorgung des gesamten Organismus (vor allem Gehirn, Magen-Darm-Trakt, Leber, Nieren) nach der Geburt von einer normalen Lungenfunktion abhängt, kommt der Lungenreife eines Neugeborenen zentrale Bedeutung zu. Physiologisch gilt die Reifung der fetalen Lunge nach 34 kpl. SSW als weitestgehend abgeschlossen. Ein Frühgeborenes mit 34 Wochen Tragzeit weist demnach nur selten schwerwiegende oder lang anhaltende Komplikationen aufgrund einer Lungenunreife auf.

Die Lungenhypoplasie ist ein von der Tragzeit eher unabhängiges Phänomen. Die Lungenreife kann aufgrund der Tragzeit theoretisch bestehen, durch fetale Wachstumsretardierung, Infektionen bzw. fetale Anomalien wie Zwerchfelldefekt, Lungenfehlbildungen oder Skelettdysplasien mit reduzierter Entwicklung des Brustkorbes kann es allerdings intrauterin bereits zu einem erheblichen Defizit des Lungenvolumens kommen. Damit ist ein ausreichender Gasaustauch mit normaler Sauerstoffsättigung des kindlichen Blutes ggf. nur eingeschränkt oder gar nicht möglich.

Im Prinzip ist eine fetale Lunge unter der 24. SSW für einen Gasaustausch nur ungenügend ausgestattet. Die Lungenbläschen (Alveolen) sind anatomisch und funktionell ebenso unreif wie unterentwickelt (hypoplastisch). Ein Überleben ist nur bedingt bzw. kurzfristig möglich.

In diesem Zusammenhang ist die sonographische Bestimmung des fetalen Lungenvolumens sinnvoll. Ein weiterer Parameter ist die sog. Lung-to-Head-Ratio, d.h. das Verhältnis von fetaler Lunge zu fetalem Kopf. Der Parameter korreliert gut zur Prognose des Kindes.

In erster Linie ist die Tragzeit (je höher die Schwangerschaftswoche desto besser das Outcome), die fetale Entwicklung (zeitgerecht eutroph oder hypotroph/ wachstumsretardiert) und eventuelle fetale Anomalien/ syndromale Situationen entscheidend. Flankierend sollte eine Lungenreife (RDS-Prophylaxe, plazentagängige Kortisonapplikation bei der Schwangeren) bis 34 kpl. SSW erfolgen um ein Atemnotsyndrom zu minimieren bzw. zu verhindern.

Bei ungünstiger (infauster) Prognose hinsichtlich des kindlichen Überlebens ist mit den Eltern durchaus auch die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs in Erwägung zu ziehen. Ergeben sich günstigere prognostische Einschätzungen, muss ein Kind mit zu erwartender Lungenhypoplasie zur Geburt in ein hoch spezialisiertes Zentrum überwiesen werden. Nachgeburtlich muss das Neugeborene ggf. sofort einer sog. extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) einer speziellen Form der Herz-Lungen-Maschine zugeführt werden (derzeit nur am Universitätsklinikum in Mannheim verfügbar).