Erbrechen/ Übelkeit/ Schwindel/ Kreislaufprobleme in der Schwangerschaft; in unterschiedlichen Schweregraden auftretendes häufiges Begleitsymptom vor allem während der Frühschwangerschaft.
Betrifft fast die Hälfte aller Schwangeren; grundsätzlich physiologische Reaktion auf die Schwangerschaft infolge endokrinologischer (hormoneller), neurovegetativer und psychosozialer Veränderungen. Die genauen Ursachen sind nicht geklärt.

Bekannt sind Risikofaktoren wie junges Alter, fehlender Rückhalt in der Familie, Mangel an Aufklärung über die Schwangerschaft, Überlastung und kommunikative Mängel im und mit dem Umfeld; zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels nehmen die Symptome ab und verschwinden meist vollständig. Andauer der Symptome Übelkeit und Erbrechen über die gesamte Zeit der Schwangerschaft sind extrem selten. Eine Therapie leichter Formen der Emesis ist nicht unbedingt erforderlich.

Die schwerwiegendere Variante stellt die Hyperemesis gravidarum dar, bei der es infolge anhaltendem, unstillbarem Erbrechen zu Störungen des Elektrolyt- und Wasserhaushaltes mit der Folge massiver Stoffwechselentgleisung kommen kann. Im Urin lassen sich dann in unterschiedlicher Ausprägung Ketonkörper als Maß für den Hungerstoffwechsel und die Stoffwechselentgleisung feststellen; zudem ist eine Nahrungs- bzw. Flüssigkeitsaufnahme kaum mehr möglich. In diesen Fällen ist eine Infusionstherapie unter stationären Bedingungen manchmal mit zeitweiliger Nahrungskarenz und anschließendem Kostaufbau notwendig.

Die Emesis ist für Mutter und Kind zunächst als harmlos einzustufen. Sofern erforderlich besteht die Basistherapie in der Einnahme kleinerer Nahrungsportionen (etwa 6 pro Tag). Flüssigkeitszufuhr möglichst in Form von Tee oder stillem Mineralwasser; ggf. Salzgebäck (Salzletten) und Cola wie bei der Behandlung eines Magen-Darm-Infekts. Empfohlen wird die Einnahme von Vitamin-B-Präparaten (sog. Vitamin-B-Komplex mit den Vitaminen B1, B2, B6 und B12 sowie Folsäure) und Vitamin C; ferner sollten Spurenelemente wie Mangan, Selen, Kupfer, Zink, Cobalt und Chrom zugeführt werden (sog. Orthomolekulare Therapie).

Medikamentös wäre eine Therapie mit Dimenhydrinat oder Antihistaminika wie Cetirizin u. a. möglich.
Gute Erfahrungen aus der Traditionellen Chinesischen Medizin bestehen in der Anwendung von Ingwertee (Vorsicht in höheren Schwangerschaftswochen: hat Wehen fördernde Wirkung). Auch als Kapsel erhältlich; weitere Teemischungen und Einzelzubereitungen aus Dill, Fenchel, Hopfen, Pfefferminze und Melisse sind in ihrer Wirksamkeit gegen Emesis bekannt.
Alternative bzw. ergänzende Therapien: homöopathische Arzneien (z.B. Nux vomica, Arsenicum album, Sepia etc.), Schüßlersalze, Bach Blüten-Therapie, Aromatherapie, Akupunktur, Akupressur, Neuraltherapie, Manuelle Medizin (kraniosakrale, lymphatische und viszerale Techniken durch einen erfahrenen Osteopathen!), Psychotherapie. Auch sog. Komplexmittel gegen Übelkeit möglich (in der Apotheke nachfragen).
Nachdem häufig ein psychosomatischer Aspekt besteht, ist es von Vorteil, die Schwangere in dieser u. U. schweren Phase zu unterstützen und in ihrer Rolle als werdende Mutter zu bestätigen, Hilfen anzubieten und zu versuchen, für die Situation viel Verständnis aufzubringen. Manchmal hilft einfach nur Zuhören bzw. der Hinweis, dass die Symptome sich bessern und im Grunde kein Krankheitswert besteht.
Zeigen die genannten Therapien keinerlei Wirkung sollten auch differentialdiagnostische Überlegungen angestellt werden (z. B. Gastro-Intestinale Infektionen, Lebererkrankungen, Gallensteine, Magenulcus, Schilddrüsenerkrankung, Diabetische Stoffwechselentgleisung, Blasenmole, Ovarialzyste, Migräne, ZNS-Tumoren, Anorexie, Bulimie).